Beiträge von Timo Re - TRCellarKnives

    Hallo Leute,


    im "Auf der Werkbank" Thread habt ihr ja den Werdegang meines "City knife" Linerlock Folders verfolgen können. Hier jetzt nochmal ein paar Infos sowie die Bilder des fertigen Messers.


    Die Inspiration zu diesem Messer lieferten Abbildungen aus dem Buch "Living on the edge" von Al Williams; das Buch beschäftigt sich mit dem Leben, den Logos und den Messern von Bob Loveless. In diesem Buch hat mich besonders das "stiff horn" pattern, auch bekannt als"city knife", beeindruckt. Also habe ich mich an den Entwurf eines Linerlocks gemacht, der in den Proportionen und der Klingenform dem eleganten Vorbild folgt ohne das "Original" komplett zu kopieren. Nach etlichen Stunden Basteln ist dann folgendes heraus gekommen:


    "city knife" Linerlock
    Klinge: RWL34 @ 60 HRC
    Platinen: Titan Grade 5, goldbaun anodisiert
    Backen: Titan Grade 2, goldbraun anodisiert
    Griffschalen: "Micanvas" Mircata, Farbe "Goldbraun" / Vintage


    Klingenlänge 73mm
    Griff-Länge; geschlossen 99mm
    Länge gesamt; geöffnet 172mm


    Viel Spaß beim Schauen...






    Hallo Mario,


    habe im social media ja schon die Bilder des fertigen Messers bestaunen dürfen und einen "Zwischenstand" ja bereits befingert. Deshalb kann ich aus voller Überzeugung sagen: das Ding ist klasse!


    Gruß Timo

    Hallo Rolf, Hallo Mario,


    vielen Dank, da macht das Posten gleich doppelt Spaß. Somit geht's gleich weiter im Takt...


    Das Arbeiten mit Titan ist meiner Meinung nach eine eher nervige Angelegenheit; es kommt aber zum Glück spätestens beim Anodisieren der Moment, an dem man für die mühselige Vorarbeit entschädigt wird.


    Aus dem eher tristen Silbergrau wird bei 12Volt in Wasser mit Zitronensäure als Elektrolyt ein aufregendes Goldbraun.


    Auch die Schrauben müssen Farbe bekennen. Bei VA geht mit Strom leider nichts, dafür lässt sich mittels Hitze ein bisschen was machen.
    Um für alle Schrauben einen ähnlichen Farbton zu bekommen braucht man möglichst gleiche Temperatur an allen Teilen; deshalb macht ein Halter aus Alu Sinn. Dieses T-Profil kann ich bequem von unten mit der Propanflamme erhitzen und mich so recht behutsam an den gewünschten Farbton herantasten.


    Das breite Grinsen bei der Endmontage könnt ihr euch sicher denken; das Farbkonzept geht meiner Meinung nach auf.


    Um euch auch am fertigen Messer teilhaben zu lassen braucht's noch ein paar anständige Bilder. Dafür gehts nun ab ins improvisierte Fotostudio. Zwei Duschvorhänge vom schwedischen Möbelhaus dienen als Diffusoren; eine schwarze gläserne Regalabdeckung als Objekttisch; einzig die 14 Jahre alte Nikon D70 und die Stative für's LED Dauerlicht sind echtes "Fotoequipment".


    Mit f20 und 3 Sekunden Belichtung bekomme ich bei ISO200 auch mit den "Funzeln" (und dem nicht mehr ganz zeitgemäßen Sensor sowie Standard-Kit-Objektiv) eine passable Ausleuchtung bei gerade ausreichender Tiefenschärfe. Somit muss ich am Rechner nur noch ein paar Staubkrümel entfernen und die Fotos ggf. zuschneiden.


    Ausnahmsweise habe ich mich aber mal ein paar Minuten mehr Zeit investiert und eine Kollage gebastelt. [EDIT] Bild mit korrigiertem Farbprofil aktualisiert[/EDIT]

    Die Backen und Schalen bleiben natürlich nicht so eckig; mit der Feile bekommen die Teile jetzt schöne Radien.


    Nach einigen zusätzlichen Streicheleinheiten mit Schmirgelleinen sehen die Griffe schon richtig schick aus.


    Auch die Innereien werden jetzt schick gemacht; erst Handabzug mit Schmirgelpapier und dann kommt der "Sonnenschliff". Mangels Kreuztisch geht's bei diesem Detail etwas "wild" zu...


    Huch, da war doch noch was. Damit später Platz für den "Detent-Ball" ist muss ich noch die Lockbars ausdünnen. Dafür muss eine Vorrichtung her. Etwas Alu, ein paar Schrauben und Cutter-Klingen als Niederhalter erfüllen ihren Zweck erfreulich gut.


    Mittlerweile habe ich die Klingen vom Härten wieder, also geht's an den unangenehmen Teil: Handabzug per Schlirgelleinen. Hier mal ein Zwischenstand bei K600; für die Klingen gehe ich bis auf 1200 rauf und mache dann wieder einen Schritt zurück auf K1000 für ein gleichmäßiges Bild.

    Zwischenzeitlich gings mit meinen "City-Knife" Klappern weiter.


    Um den Lockbar in den Linern freizuschneiden benutze ich meinen Proxxon mit kleinen Trennscheiben und ein Stück gehärteten Stahl als Führungshilfe.


    So sieht's dann fertig aus:


    Weiter gehts mit dem Anpassen der Klingenrampen. Dafür montiere ich die Klingen zunächst mit Achse und Stoppin und reiße mit einer Cutter-Klinge die Stirnseite und die Breite des Lockbars auf der Klinge an. Am Bandschleifer trage ich dann Material bis genau zu dieser Markierung ab; um dabei den passenden Winkel für die Verschlussrampe zu halten habe ich mir eine Vorrichtung aus MDF gebastelt.


    Passt. Nach dem Übertrag der Bohrung für den Detent-Ball sind die Klingen soweit fertig fürs Härten.


    Deshalb gehts jetzt mit den Backen und Griffschalen weiter.
    Erst mal grob am Bandschleifer etwas Material an den Backen abtragen; dann geht's mit der Feile weiter.


    Nun das Griffmaterial an den Linern ausrichten und die Bohrungen für die Schalen übertragen.


    Nun passe ich die Schalen an die Kontur der Platinen an.


    Und das selbe in (Oliv)Grün:

    Hi Nico,


    ein schickes kleines Accessoire ist dir da gelungen. Wenn ich mir deinen Schlüsselbund so anschaue musst du aber große Hosentaschen haben. :D Darf man fragen, was der Anhänger wiegt?
    Bei den Temperaturen bin ich ausnahmsweise mal froh, dass es in meiner kleinen Werkstatt im Keller immer etwas kühler ist. Im Winter sieht's natürlich anders aus, bei Minusgraden draußen hats da auch nur noch 4, 5 Grad...


    Viele Grüße, Timo

    Wow Nico,


    das Messer ist super geworden. Die Form von Griff und Klinge harmonieren sehr gut; insbesondere das Holz mit der tollen Politur hat es mir angetan. Die Schwünge und Kanten des Griffs sind dir wirklich hervorragend gelungen: auf so eine elegante Formsprache kann man glatt neidisch werden.


    Viele Grüße, Timo

    Hallo Christian,


    vielen Dank für deinen Beitrag; es freut mich zu hören, dass die Arbeit inclusive Doku positiv ankommt.
    Das Messer incl. Scheide habe ich als Accessoire für eine Hochzeit angefertigt; "Großstadtdresscode" klingt aber ebenfalls pasend. Hier auf den Schnappschüssen habe ich das Messer etwas vorgeschoben und das Sakko hinter die Scheide geklemmt; auf der Veranstaltung selbst wurde das Messer aber natürlich etwas unauffälliger, weiter hinten, getragen.



    Mit der Breite des Keders und mit dem Nahtabstand hast du vollkommen Recht. Die 7mm Nahtabstand und stolze 16mm Keder sind bei so einem zierlichen Messerchen zu viel des Guten; weniger hätte sicherlich noch etwas eleganter ausgesehen. Von den Dreifinger-Messern werde ich aber noch ein paar Stück anfertigen, da probiere ich bei der nächsten Scheide gerne eine schmalere Variante.


    Beim Stechen der Löcher für die Naht war das Leder gefühlt knochentrocken. Beim Herausziehen des Stecheisens hatte ich allerdings große Schwierigkeiten und musste deshalb das Eisen hin und her wackeln, was die Löcher sicherlich etwas geweitet hat. Mehr ins Gewicht fällt aber vermutlich, dass ich die Naht nicht wie von dir beschrieben anständig verklopft habe. Das wird nachgeholt, sobald ich mir einen Schusterhammer besorgt habe... :)


    Viele Grüße, Timo

    Hallo Jörg,


    vielen Dank für das insgesamt positive Feedback. Als Macher sehe ich natürlich erst mal die Schwachstellen, danach erst das doch recht gelungene Gesamtbild. Die Punzierung ist nicht ganz perfekt; ein paar Stempel sind daneben gegangen und überlappen sich etwas. Auch die Furche für die Naht ist ein bisschen zu wellig geworden; dann ist da noch die Naht selbst. Ich habe einen hohen Anspruch an meine eigenen Arbeiten; daher sehe ich mein Gebastel immer etwas kritischer. Dennoch hast du natürlich Recht, man muss nicht gleich das Niveau von Arno als Messlatte ansetzen und sich dann grämen...


    Deine Anmerkung zum Sitz des Messers ist auf längere Sicht bestimmt gerechtfertigt; das nass anformen kann ich bei Bedarf noch nachholen. Aktuell hällt das leichte Messer allerdings noch bombenfest in der Scheide; es geht enger zu als es auf den Bildern wirkt. Cocktail-Schüttler-mäßiges Geschlenker lässt das Messer keinen Zentimeter wandern, nur wenn ich die Scheide wie beim Angel auswerfen nach vorne zirkle und abrupt stoppe rutscht der Griff ein Stück in der Scheide nach aussen.


    Hallo Rolf,


    auch an dich vielen Dank für die nette Rückmeldung. Die horizontale Trageweise hatte eigentlich nur kosmetische Zwecke. Für die reine Funktion ist eine klassisch senkrecht getragene Klinge sicherlich sinnvoller, vor allem wenn man das Messer öfter ziehen und wegstecken muss. Mir ging es allerdings darum das Messer eher unauffällig zum Anzug tragen zu können; da erschien mir die horizontale, körpernah sitzende Scheide besser geeignet. :)


    Viele Grüße,


    Timo

    Jetzt werden die Löcher für die Naht gestochen und das Ganze per Sattlerstich vernäht.


    Noch etwas Lederbalsam drauf für die satte Farbe und etwas seidenmatten Glanz, Fertig...


    Hier mit dem Gürtel, für den ich diese Scheide gebastelt habe.


    Schuhe, Gürtel und Scheide sind farblich gut zueinander abgestimmt.


    ... und noch mal solo. Erst von hinten; hier ist die Naht leider nicht so schön...


    ...dafür sieht's von vorne alles sehr gleichmäßig aus...


    Handwerklich ist sicher noch einige Luft nach oben. Dafür dass ich bei den Lederarbeiten nur wenig Übung habe kann sich das Resultat aber dennoch sehen lassen. Ich bin auf eure Wortmeldungen gespannt; vielleicht hat der ein oder andre noch einen Tip wie ich meine Vorgehensweise noch optimieren kann...

    Vergangene Woche war es mal wieder so weit, ich musste mich an einer kleinen Lederarbeit versuchen.


    Erst mal grob die Lage der Klinge auf Pappe skizzieren


    Dann den Papp-Entwurf ausschneiden und aufs Leder übertragen


    Weiter gehts mit dem Ausschneiden des Leders inclusive Keder...


    ... Naht-Rille ziehen als Vorbereitungen fürs Punzieren


    Nun der etwas anstrengende Teil; die Punzierung...


    Damit sich das Leder etwas leichter ans Messer anformen lässt wird nun der Rücken etwas ausgedünnt


    Nun werden die Lagen verklebt; so langsam sieht's nach was aus...


    Fürs horizontale Tragen am Gürtel müssen noch ein paar Riemchen her...


    ... und das Ganze bekommt noch Farbe und wird fürs Verkleben vorbereitet.

    Hey Andy,


    von Integral-Messern bin ich immer wieder begeistert, auch wenn ich in der eigenen Werkstatt einen so "dekadenten" Materialeinsatz scheue. Dein "Knicker" zeigt deutlich, dass ein Integralmesser nicht plump und schwer daher kommen muss sondern bei passender Form regelrecht leicht und luftig wirkt. Gepaart mit der sauber gearbeiteten Steckscheide ist dir eine tolle Kombination gelungen...


    Viele Grüße, Timo

    Hi Jörg,


    das ist mal ein richtiges Gesamtkunstwerk; da kommt man ja ins Straucheln ob das Messer oder doch der Ständer schöner ist.
    Der kastanienförmige Griff des Messers liegt bestimmt satt in der Hand und mit dem partiellen Hohlschliff für's "food release" hast du mein Interesse geweckt. So eine Klingengeometrie muss ich mal antesten.
    Der neue Besitzer ist sicher erst mal total Baff und hat mit diesem Hingucker bestimmt auch jedes mal wieder ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn ein Gast die Gitarrenhalshalterung sieht und interessiert Fragen stellt. Astrein...


    Viele Grüße,
    Timo

    Hey Nico,


    ich würde sagen das Experiment ist jetzt schon geglückt. Die Klingenform und der nahtlose Übergang in den Handschutz wirken schon jetzt sehr harmonisch; das fertige Messer wird sicherlich ein Kracher. Ich bin gespannt, wie es weiter geht...


    Viele Grüße, Timo

    Hi Mario,


    so richtig schnell geht's gefühlt leider nur am Anfang; je weiter so ein Projekt fortschreitet desto "fummeliger" und zeitaufwändiger wird das Ganze. Das kennst du sicherlich auch von deinen tollen Backlocks...


    Hallo Christian,


    vielen Dank für die Rückmeldung, freut mich sehr dass der WIP gut ankommt. Du hast vollkommen Recht, ein Patentrezept gibt es leider nicht. Bei den Linerlocks habe ich noch nicht so viel Erfahrung und noch keine besonders effiziente Arbeitsweise entwickelt; insgesamt kommt bei meinem überschaubaren Output (leider) keine Routine auf. Entsprechend könnte man mit einer anderen Abfolge der Arbeitsschritte vermutlich viel Zeit und Ärger sparen. Es geht aber auch per "zwei Schritte vor, ein Schritt zurück" halbwegs voran. In naher Zukunft gibt's dann auch die Transformation von "rustikal gebastelt" zu "Handwerkskunst"; spätestens wenn die Backen und Griffschalen drauf sind sehen die Messer edler aus.. :)


    Über eine Steckscheide oder gar ein kleines Gürtelholster hatte ich bisher noch nicht nachgedacht. Die Idee muss ich eine Weile sacken lassen; vielleicht sind die Messer am Ende ja für die "blanke" Hosentasche wirklich zu schade...


    Vor einigen Tagen ging's auch noch mal in kleinen Schritten weiter:


    Titan für die Backen flachschleifen...


    Klingen einkürzen und die Backen grob zurecht stutzen und bohren:


    ...und das Ganze dann noch in der Hand...


    Am letzten Bild sieht man leider recht deutlich, dass ich noch bei Weitem nicht alle tiefen Schleifrillen losgeworden bin. Hier hätte ich also mit dem Einkürzen den Klingen noch waren sollen und mir das Klingenfinish mal unter etwas besseren Lichtverhältnissen genauer anschauen müssen... Was solls, da muss ich also noch mal ran; entweder weiterhin am Bandschleifer oder ich mache mich schon mal ans längs Handsatinieren...

    Hallo Leute,
    vielen Dank für die Wortmeldungen. Es freut mich sehr, dass ihr hier interessiert zuschaut. Dieses Wochenende habe ich einige Stunden investiert und dabei sogar sichtbare Fortschritte gemacht...


    M2er Gewinde schneiden für die Montage des Backspacers; die Gewindebohrungen für die Griffschalen setze ich erst wenn die Form des Griffs komlett fertig ist... Seit ich das Rundgriff-Windeisen und eine improvisierte "Winkel-Hilfe" verwende ist mir zum Glück kein Gewindebohrer mehr abgebrochen...


    Nach dem Aussägen, Bohren und zurecht schleifen der Backspacer geht's jetzt ans Feilen der Endlage für den geschlossenen Zustand.


    Zwischenstand... Im Vergleich zum Plexi-Prototypen haben die beiden Klapper etwas mehr "Speck auf den Rippen". Durch die derzeit noch überlangen Klingen wird der Eindruck natürlich noch extrem verstärkt...


    So langsam wird's ernst, es geht an den Anschliff der Klingen... Anreißen und dann ab an den Bandschleifer; 60er 3M Kubitron II macht ziemlich kurzen Prozess mit dem RWL34...


    ... und einklappen...


    Wie man nun deutlich sieht haben die Klingen noch ordentlich Überlänge; das hat folgenden Grund. Bei der Klingenform mit der tief sitzenden nadeldünnen Spitze ist die Gefahr recht hoch, dass der Anschliff auf den letzen Milimetern leicht asymmetrisch ausfällt oder die Spitze beim Schleifen etwas zu dünn wird. Deshalb lasse ich großzügig Material stehen und bringe die Klinge erst in die endgültige Form, wenn der Anschliff komplett fertig ist...