...das Erste war das schwerste...

  • Mein Erstlingswerk, in Prosa...


    Schon ewig habe ich die Messermacher bewundert, die mit vergleichsweise einfachen Mitteln tolle Arbeiten hervor bringen. Entsprechend wuchs nach und nach der Wunsch, es meinen "Vorbildern" gleich zu tun und auch selbst Messer anzufertigen. Im Sommer 2013 stand dann der Entschluss, die Sache anzugehen; es dauerte allerdings noch einige Wochen voll intensiver Recherche im Netz und auf youtube, bis die ersten Späne fielen...


    Für's Erste sollte ein "Feststehendes" Herausforderung genug sein, C-Stahl, Holz, mit guter Handlage und alltagstauglicher Drop-Point Klingen-Form. Ein gefälliger Entwurf war recht schnell zu Papier gebracht, auch die Materialwahl (C75, Makassar-Ebenholz) ging fix.


    Gar nicht so fix ging dann aber das eigentliche Basteln von der Hand. Zwar war ich aufgrund meiner beruflichen Ausbildung den Umgang mit Bügelsäge und Feile gewohnt; dennoch war es eine Herausforderung, dem wehrhaften Stahlstreifen die grobe Form des Messers zu entreißen. Das Schlichten der Konturen und das Anlegen des Klingenspiegels mit dem Satz Baumarktfeilen war kein Zuckerschlecken, lief aber insgesamt problemlos ab. Beim Bohren der Löcher für die Befestigung des Griffs drohte mein Projekt allerdings schon jäh zu scheitern. Mit der handgeführten Elektro-Bohrmaschine halbwegs gerade Löcher zu bohren ist leichter gesagt als getan, vor Allem wenn dabei Bohrer und Stahl über die Maßen heiß, der Bohrer entsprechend weich und der Stahl örtlich entsprechend hart werden. Nach gefühlt stundenlagem Genudel waren dann aber die Löcher drin. Ähnlich zeitaufwändig ging es beim Griffmaterial weiter; der Block Makassar musste ja irgendwie zerlegt und die Scheiben geplant werden. Japansäge; Glasplatte; Schmirgelpapier; Ihr kennt das Spiel und vor allem den Frust beim Schmirgeln, wenn der Schnitt nicht so "glatt" lief wie er sollte...


    Für's Härten habe ich mir gleich die nächste Herausforderung vorgenommen; es sollte eine differienziell gehärtete Klinge mit "Hamon" werden. Entsprechend habe ich die Klinge vor dem Härten teilweise in Ofenmörtel eingepackt. Ich bekam kurzfristig Zugang zu einem monströsen Nabertherm Kammerofen, sodass das Härten der Klinge bei idealer Temperatur vonstatten gehen konnte. Dass so ein Keramikbrennofen zwar toll einstellbar ist aber nicht dafür gedacht ist im Betrieb geöffnet zu werden wurde mir klar, als ich bei geöffneter Tür vor einer glühenden Wand stand. Da hieß es Augen zu und durch... Ein paar abgesängte Haare und etwas Pommesbuden-Dampf später hatte ich dann meine gehärte Klinge vor mir; bereit zum Anlassen im heimischen Ofenrohr...


    Eine Klinge differientiell zu härten ist die eine Sache; die Härtelinie formschön zu gestalten und auch noch in der Politur sichtbar heraus zu arbeiten eine ganz andere. Entsprechend langwierig und etwas frustrierend war das Satinieren der Klinge. Zwar zeigt sich die Härtelinie deutlich, der Verlauf zeugt aber von zu viel Lehmmantel im Ricasso-Bereich... Kann man nichts machen, also weiter im Takt und Griffschalen drauf. Alu-Rohr als Hohlniete sowie Epoxid-Kleber verbinden Ebenhölz und Karbonstahl zu einer funkionalen Einheit...



    Zu einem feststehenden Messer gehört (eigentlich) auch immer eine Scheide, also musste ich mich für mein Erstlingswerk auch noch mit Sattlerarbeiten beschäftigen. Zum Glück gibt's auch zum Scheidenbau sehr schöne Anleitungen auf youtube, sodass die Näherei halbwegs reibungslos ablief. Nur Leder fand ich für mein erstes Werk allerdings zu öde, stattdessen habe ich den Rest des Griff-Holzes verarbeitet. Entstanden ist eine Sandwich-Konstruktion aus Holz und Leder, die das Messer sicher aufnimmt...




    Mehrere Wochen nach Projekt-Start hatte ich dann endlich mein Ziel erreicht und in Eigenregie mein allererstes Messer angefertigt. Da war für mich schon klar, dass es trotz all der Wiedrigkeiten nicht mein einziges selbstgemachtes Messer bleiben würde!

    • Offizieller Beitrag

    Wowww... Hut ab Timo... Erstlingswerk, komme aus dem Staunen nicht mehr raus!


    Das Ganze...Messer und Scheide... ist genial. Da war mein Erstlingswerk und alle! die ich bisher gesehen habe „einfacher“. ;-))


    Das Messer hat ein tolles Design, in meinen Augen hast da das Beste aus den Materialien raus geholt, mir gefällt, dass die Schalen von der Höhe her und beim Kantenbruch super integriert sind. Nicht zu dick, nicht zu dünn...eben genau richtig... Klasse.


    Und die Scheide ist ein weiteres Highlight!


    Feine Arbeit, die mir super gefällt... und der Hamon ist dir genial gelungen.


    Gruß Ralf

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Timo,


    was für eine großartige Geschichte!!!


    Man sieht, dass du auf allen Ebenen Perfektion anstrebst... Eine tolle Geschichte, scharfe und wohlausgeleuchtete Bilder, ein eigenes Design mit vielen Details, eine aufwändige Aufbewahrung und dazu noch an allen Stellen eine absolut saubere Ausführung... Ich bin sowas von gespannt, wie dein Weg weiter gehen wird und freue mich schon jetzt, deinen Weg hier auf unser gemeinsamen Plattform zu begleiten...


    Schönen Gruß


    Christian

  • Hallo Timo,


    deine Story erinnert mich an meine Erstlingswerke und was ich dabei alles falsch und kompliziert gemacht habe.
    Aber, das leben ist ein einziges Lernen.
    Das Messer ist sehr schön geworden, die Klinge ein richtiger Allrounder, die Scheide mit dem Holz ein Eyecatcher.
    Da dies Dein Erstlingswerk ist, bin ich natürlich jetzt richtig auf die nächsten Vorstellungen gespannt.


    Gruß
    Rolf

    Das einzige Paradies, das Dir keiner nehmen kann, ist das Paradies in Deinen Erinnerungen.
    Trete nie in die Fußstapfen eines Anderen, sonst wirst Du nie eigene Spuren hinterlassen

  • Hallo Leute,
    herzlichen Dank für das positive Feedback; es freut mich sehr dass mein erstes Messer bei euch so gut ankommt. Ich fürchte aber, damit habe ich die Messlatte für meine kommenden Posts ziemlich hoch gelegt. Einige meiner nachfolgenden Arbeiten sind im Vergleich zum Erstlingswerk eher weniger spektakulär und ich habe mir bei vielen bisher nicht die Mühe gemacht, die Messer anständig abzulichten. Von den halbwegs vorzeigbaren Exemplaren folgen aber gerne demnächst noch Bilder.


    Bei positiven Resonanz zu dem hier gezeigten Messer sollte ich vielleicht mal eine zweite Runde einläuten; ich brauche so wie so noch "Futter" für den Ofen, wenn ich demnächst wieder eine Klapper-Klinge härte...


    Viele Grüße, Timo

  • Hallo,


    noch mal vielen Dank für die ganze positive Rückmeldung. In dem Messer steckt sehr viel Arbeit; da freut es mich besonders, dass dies hier so gewürdigt wird.
    Ja, die Latte hängt hoch und ja, ich kann manchmal etwas "perfektionistisch" sein. Dennoch sind die meißten meiner nachfolgenden Arbeiten weniger zum Anschauen als zum Benutzen gedacht; entsprechend habe ich bei vielen etwas früher "5e grad sein lassen". Aber ein, zwei "safe queens" habe ich noch im Petto... ;)


    Viele Grüße, Timo

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