Solace - Lykan

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    • Solace - Lykan

      Hallo Zusammen,

      diese Arbeit habe ich für einen Forenwettbewerb im Oktober 2014 erstellt und ich möchte euch folgend meine Ideen und deren Realisierung in einem Bericht wiedergeben.

      Die Intention

      Nachdem ich das Messer das erste mal gesehen hatte...




      machte ich mich an ein kleines Brainstorming. Für mich persönlich war schnell klar, dass das Bark River Bravo EDC kein Vitrinenmesser ist und es für den Gebrauch geschaffen wurde. Also recherchierte ich die Idee hinter dem Messer: Mike Stewarts entwickelte in Zusammenarbeit mit Privatleuten und dem U.S. Marine Corps einen kleineren Ableger des Bravo 1 für den täglichen Bedarf. Zusammengefasst ist das Bravo 1 für Mike Stewart "a heavy duty bushcraft/survival knife that can stand up to abusive use". Und während ich selber mit meinem EDC und der dazugehörigen Lederscheide in der Hand spielend vor dem PC saß, formten sich für mich zwei Begriffe die für mich im Gegensatz stehen - EDC und Surrivalknife.

      Als ich länger darüber nachdachte, entstand vor meinem geistigen Auge eine Lederscheide, die diese Gegensätze vereinen sollte - Metamorphose; Shapeshifter; Gestaltwandler - der Lykan.

      Der Lykan sollte die täglichen Aufgaben - wie Kartonschneiden, Lebensmittelzubereitung, Wunden versorgen, im Handschuhfach liegen, immer dabei sein können und damit herumspielen - genauso unterstützen wie Feuermachen, schnelles befestigen am Rucksack, wiederfinden im dunklen Zelt, verschiedene Trageweisen und die schnelle Entnahme.

      So standen auf meinem Zettel für diesen Tag die Punkte:
      - Mehrere Trageweisen
      - Firestick
      - Kiss System
      - Tritium
      - Schlanke kleine Scheide
      - doppelte Naht
      - Innenfutter
      - Etwas neues erschaffen

      Schnell setzte ich mich an mein Zeichenprogramm (Adobe Illustrator) und versuchte den vorhanden Input in eine Form zu bringen. Die Idee war eine ganz schlichte und schlanke Scheide zu bauen, die innen gefüttert ist und um die ein Aufsatz gesteckt werden kann. Der Aufsatz enthält somit alle erforderlichen Gadgets für die wöchentliche Wanderung und längere Tagestouren. Die Befestigung sollte simple und einfach verlaufen und über einen Cobra Buckel realisiert werden.




      Bevor noch das Messer bei mir war, wurden so schon die benötigten Utensilien bereitgelegt...




      und so wartete ich gespannt auf das Eintreffen des Messers.

      Die Planung

      Als das Messer bei mir ankam und ich es das erste mal auf der Werkbank liegen hatte, realisierte ich erst wie klein das Messer doch in Wirklichkeit war...
      Meine vorherige Planung mit dem Cobra Buckel wurde beim Anblick des kleinen und schmalen Messers in wenigen Sekunden verworfen. Der Cobra Buckel in der kleinsten Ausführung (25 mm) war nur wenig kleiner als die gesamte Scheide später in der Breite werden sollte. Demnach entschied ich mich nach längerem überlegen und abwägen für eine sehr schmale und kompakte Lösung, die das Design unterstützen und nicht als Akzent dominieren sollte - einen Druckknopf, der per Lasche in die Grundscheide geführt den Überzug sicher festhalten sollte.

      Der Bau der Grundscheide

      Ich arbeite sehr gerne bei all meinen Werken mit dem Zeichenprogramm Adobe Illustrator, hier lassen sich mit wenigen Clicks schöne Designs erstellen, die später virtuell auf tatsächliche Größe gebracht als Schablonen dienen. Ich empfinde dieses Programm als so gut, da ich sehr schnell verschiedene Formen ausprobieren kann, sie auf Schablone ausdrucke, in live ansehe und später schnell weitere Veränderungen virtuell vornehmen kann. Auch kann ich verschiedene Designs gegenüberstellen und abwägen, was nun besser zum späteren Träger passen wird.

      So Scanne ich als erstes das Messer, skaliere es auf einem virtuellen A4 Papier auf die tatsächliche Größe und zeichne drumherum das Design der späteren Scheide.




      Mit kleinen Anpassungen entsteht so eine Schablone, die schnell aufs Leder übertragen ist. Als Außenleder habe ich ein stark vorgebräuntes Stück Sattelleder Natur in 2,4 mm Stärke genommen. Aus einem anderen Stück habe ich per Hobel das Innenfutter gemacht, indem ich dieses auf 1,1 mm geschärft habe. Später habe ich beide Seiten zusammengeklebt, die Nahtrille markiert und die Löcher vorgestochen.




      In einem weiteren Schritt habe ich die beiden verklebten Stücke noch weiter mit einer Naht versehen. Hierbei habe ich mir sehr viel Mühe gegeben eine sehr saubere Naht zu machen, da die Naht statt einer Punzierung oder Einlage als Akzent dienen soll und daher überaus symmetrisch sein muss.




      Vor dem Zusammennähen habe ich noch die oberen Kanten gebrochen, mit steigendem Schleifpapier verrundet und mit Wachs und Polierhölzern die Kante geglättet, bevor ich sie am Ende mit Gum Tragacanth versiegelt habe.

      Der Überwurf

      Auch hier habe ich zuerst die verschiedenen Teile, die benötigt werden, in Illustrator vorgezeichnet.




      Da der Überwurf saugend passen sollte und auch ein schützendes Innenfutter hat waren eine Vielzahl von Anpassungen nötig, bis es endlich so passte wie ich es mir vorgestellt hatte. Dabei habe ich insgesamt 5 Lederstücke in die Restekiste gepackt, da nachdem ich es übertragen hatte sich immer wieder ein neuer Fehler einschlich und einmal die Schnalle nicht mehr mittig saß, der Überwurf zu eng oder zu weit war oder die Rundungen beim herumlegen um die Grundscheide nicht mehr symmetrisch waren. Daher war ich sehr erleichtert, als zwei passende Stücke vor mir auf der Werkbank lagen.




      Anschließend habe ich die beiden Stücke mit schwarzer Fiebings Ölfarbe gefärbt und die Löcher für die Ösen, den Einschub für den Firestick und die Gürtelschlaufe gefertigt. Für die Gürtelschlaufe habe ich auf ein Verfahren vom Camerabag zurückgegriffen - durch die Löcher ist die Gürtelschlaufe ein wenig "stretchi" und lässt sich so sehr fest an jeden Gürtel anpassen, ohne später herumzuwackeln.




      Als nächstes sollte das blaue Tritiumstäbchen befestigt werden. Hierzu bohrte ich in ein kleines Stück Olivenholz über 34 mm ein 3 mm Loch für das Stäbchen, von oben zwei 3 mm Löcher für die Schrauben, feilte mit einer Rundfeile das Guckloch aus und schliff und färbte das kleine Hölzchen später. In der jetzigen Form lässt sich das Stäbchen von unten in das Loch führen, oben ist dieses Loch nicht zusehen, da ich nicht ganz durchgebohrt habe. Gehalten wird das Stäbchen durch die untere Schraube. Das Ganze ist mit den M3 Schrauben durch das Außenleder geführt und in mit Uhu Endfest gesicherten Muttern überführt. So ließe sich auch nach 12 Jahren - wenn das Tritium seine Leuchtkraft verloren hat - das Stäbchen austauschen, indem die untere Schraube gelöst und das Stäbchen herausgeschoben wird.




      Das Innenfutter des Überwurfs schützt die Grundscheide vor den Muttern und wurde einfach auf das äußere Leder aufgeklebt und später vernäht. Die Kanten wurden daraufhin wie oben beschrieben bearbeitet.

      Die Vorstellung

      Grundscheide
      - 2,4 mm Sattelleder Natur
      - 1,1 mm Innenfutter aus Sattelleder Natur
      - Sattlernaht im Verfahren 7 Stiche auf einen Inch
      - weiße Doppelnaht aus gewachsten und geflochtenen Garn
      - Kanten geburnisht und versiegelt

      Überwurf
      - 2 x 2,4 mm Sattelleder Schwarz
      - Sattlernaht im Verfahren 7 Stiche auf einen Inch
      - schwarze Naht aus gewachstem und geflochtenen Garn
      - Kanten geburnisht und versiegelt
      - Shock Cord in grau (150% Dehnbarkeit und 47 KG Bruchlast)
      - Feuerstahl
      - Tritiumstab in blau
      - "stretchi" Gürtelschlaufe 40 mm

      Ein paar kurze Sätze zur Befestigung: Der Überwurf sitzt wie das Messer saugend und auch ohne den Verschluss bewegt sich der Überwurf nicht bei der Entnahme des Messers oder beim Wiedereinstecken. Für das Befesteigen wird der Überwurf von oben auf die Grundscheide gesteckt, anschließend wird die Schlaufe mit Druckknopf durch die Grundscheide geführt. Die Befestigung dauert lediglich 2 Minuten und lässt sich ohne weiteres Geschick bewältigen.

      Nun aber die Bilder:








































      Eine große Ehre wurde mir dann ein Jahr später zuteil, als meine Arbeit im Messer-Magazin publiziert wurde...





      Schönen Gruß

      Christian
      Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. (Antoine de Saint-Exupéry)
    • Solace - Lykan

      Hallo Christian,

      ich kann mich noch gut an diesen Wettbewerb erinnern, ich durfte damals auch daran teilnehmen. Das Messer war extrem klein, es war sehr schwierig dafür eine Scheide zu bauen. Du hast damals die Aufgaben hervorragend umgesetzt und die von Dir gebaute Scheide ist ein wunderbares Vorbild für jeden motivierten Scheidenbauer.
      Danke für den tollen Herstellungsbericht mit den schönen Fotos.

      Gruß
      Chief
      Das einzige Paradies, das Dir keiner nehmen kann, ist das Paradies in Deinen Erinnerungen.
      Trete nie in die Fußstapfen eines Anderen, sonst wirst Du nie eigene Spuren hinterlassen
    • Solace - Lykan

      Hallo Christian,
      mich hat diese Scheide sehr beeindruckt!...dass du so viele unterschiedliche, sinnvolle Outdoorutensilien untergebracht hast und die Scheide dennoch nicht stark aufträgt, ist schon was Besonderes. Ich bin totaler Fan dieser Scheide, sie ist richtig klasse verarbeitet und schaut wirklich aussergewöhnlich und schön aus. Das Highlight ist für mich das Betalight :) Ich mag diese ewig leuchtenden Lichter sehr, sie faszinieren mich. Deine Scheiden passen perfekt zum Messer, sind sehr schön und man merkt, dass du dir ohne Ende Gedanken gemacht hast und es steckt Herzblut drin!!!
      LG Ralf
      Nicht verzetteln, bleib beim Ursprünglichen....
      Schreibe eine Mail an Ralf Holzer
    • Solace - Lykan

      Christian,an die Battle zwischen Dir und dem Chief kann ich mich auch noch erinnern. Ging damals relativ knapp zu Deinen Gunsten aus....Ich hab für den Chief gevotet...... :evil: .....Soll aber nicht heissen, dass mir Deine Arbeiten nicht zusagen, wie Du ja zwischenzeitlich bemerkt haben wirst. Und Ralf, wenn Dir so'n Betalight gefällt, lass Dich mal bei der nächsten Scheide vom Chief beraten.... der hat oder besser hatte dort externe Möglichkeiten, die eine Livetime Garantie beinhaltet haben..... :woohoo: .....HUUUUUAR......

      Dizzy
    • Solace - Lykan

      Hallo Zusammen,

      vielen Dank für eure Rückmeldung!

      Ja es war verdammt knapp und eher eine Entscheidung des Geschmacks den der Verarbeitung... War mir ganz sicher, dass Rolf das Rennen macht. Kann mich auch noch gut an die Arbeit vom Rolf erinnern, dass war eine unverwechselbare und geniale Arbeit.

      Ach und Christian, beim Ralf leuchtet schon seit gut einem Jahr ein kleines rotes Lichtlein in der Vitrine... :whistle:

      Schönen Gruß

      Christian
      Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. (Antoine de Saint-Exupéry)
    • Solace - Lykan

      Rolf Schneider schrieb:

      Hallo Christian,

      bei meinen Leuchten würde der Ralf jetzt leuchten, so nach einem Jahr

      Gruß
      Chief


      Hallo Rolf,

      kommen die von der Firma Beta-Master oder sind das andere Fabrikate?

      Schönen Gruß

      Christian
      Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. (Antoine de Saint-Exupéry)